Mittwoch, 15.04.2026 01:08 Uhr

"Leben, das dem Tod entwächst"

Verantwortlicher Autor: Sergej Perelman Paderborn/Düsseldorf , 08.04.2026, 07:47 Uhr
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Magnolienbaum, Foto: Sergej Perelman

Paderborn/Düsseldorf [ENA] Auf eine sehr einfühlsame, feinsinnige, ergreifende, erlösende und Trost spendende Art und Weise ergründet der Theologe, Psychotharapeut und Schriftsteller Dr. Eugen Drewermann das Geheimnis der Passions- und Ostererzählungen in seinen Predigten zur Passions- und Osterzeit, die in einem Büchlein mit dem Titel "Leben, das dem Tod entwächst" von Bernd Marz herausgegeben wurden und nachstehend vorgestellt werden.

Zwar scheint Ostern vorbei, doch eigentlich kann es gar nicht vorbei sein. Denn bei dem, was uns als Feiertag, gebunden an ganz bestimmte Tage im Jahr, vermittelt wird, geht es eigentlich um eine innere Einstellung und Haltung, die aus dem Wunder unserer Menschwerdung entspringt und zur Auferstehung und Verwandlung des Einzelnen im Hier und Jetzt führt, so die Betrachtungsweise von Eugen Drewermann, der es möglich macht, bis in die tiefsten Tiefen jenes das Leben eines jeden Menschen tief beeinflussenden Rätsels von Tod und Auferstehung einzudringen und es erfahrbar zu machen. Im Folgenden bekommen die Leser einen Blick auf einen Ausschnitt von Drewermanns poetisch-existenziellem Oster-Gemälde.

"Vor nichts und niemanden mehr werden wir Angst zu haben brauchen um unser so bedrohtes und gefährdetes Leben. Es ist gesichert, selbst angesichts des Todes. Und wenn`s im Hohelied der Liebe heißt, die Liebe sei stark wie der Tod, so gilt seit diesem Ostermorgen unverbrüchlich, daß sie unendlich stärker ist als der Tod. Diese irdische Existenz, die wir führen, ist nur scheinbar, ein erster Anfang der Wirklichkeit, nichts Endgültiges, aber der Beginn der Ewigkeit, Anfang, ewig zu schauen. Und schon sind wir gemeinsam unterwegs nach Galiläa. Jesus selbst spricht in diesem Augenblick nicht mehr von seinen Jüngern, sondern endgültig von uns als seinen Brüdern und Schwestern, wie wenn alles, was er sagen wollte, in die Wahrheit träte."(1)

"Wenn irgend wir einen Menschen so entdecken können, daß wir die Unendlichkeit seiner Würde, die Ewigkeit seines Lebens wie eine sichere Tatsache fühlen, ist Ostern. Und keine Macht der Welt wird die Liebe mehr aus unserem Herzen reißen. Unser Leib wird vergehen, aber unsere Seele, unser unsterbliches Wesen wird sich zu dem Licht der Sterne erheben wie ein goldener Vogel, zurückkehrend in seine Heimat. »Seht«, sagt der Engel am Grab, »ich habe es zu euch gesprochen.«"(2)

"Was aber mit der Person des Mannes von Nazaret beginnt, ist in Wahrheit der Sieg über den Tod als diejenige Macht, die unser ganzes Leben zusammengekrümmt sein lassen kann in ständiger Angst unter dem Schattenwurf des Zwinggriffs der Vernichtung. Kein Mensch wagt wirklich zu leben, immer aus Angst, was ihm geschehen könnte, vermittelt durch andere Menschen, endgültig besiegelt durch den Gang der Natur; und niemand von uns verleiht der Seele die Kraft, in Wahrheit zu sein, wozu sie bestimmt ist. Dies muß Jesus vor Augen gehabt haben, wie in uns verschlossen, wie auf der Flucht gejagt wir Menschen existieren und welch eine ungeheuere Macht der Tod über uns hat."(3)

"Mögen wir auch an die Auferstehung glauben, sie hat im normalen Bewußtsein mit unserer Art zu leben kaum etwas zu tun, sie ist wie eine Vertröstung auf den Jüngsten Tag, und die Zyniker sagen: auf den Sankt-Nimmerleins-Tag. Anscheinend löst der Glaube an die Auferstehung nicht ein einziges wirkliches irdisches Problem; da gilt es zu denken und zu rechnen und zu machen und aus Angst vor dem Tod immer wieder selber zu töten. Aus lauter Furcht möchte jeder überleben, und am Ende ist lange zu leben fast schon das Beste, was wir erhoffen. Es kommt aber darauf an, richtig und wahr zu leben. Das ist der Sieg über den Tod, der mit Jesus begann."(4)

"Jesus erwartete nicht die Auferstehung von den Toten, er lebte sie, hier in diesem Leben, so, daß in seiner Nähe Menschen sich aufzurichten begannen, die bis dahin nur wie gedrückt und wie verbogen durch dieses Leben zu gehen vermochten, daß Menschen, die sich versteckt hielten, weil sie sich wie aussätzig und wie gebrandmarkt fühlten, neu ans Licht sich hervorwagten aus den Grabkammern ihres Daseins. Und am meisten die Frau, der wir die Osterbotschaft als erster verdanken, Maria von Magdala. Sie muß in der Nähe Jesu erlebt haben, daß ihr eigenes Ich sich zusammensetzte."(5)

"Sieben böse Dämonen hätten Sie besetzt gehalten, Ehe sie Jesus traf. So kann unser Leben oft sein: derart verwüstet aus Angst, wie eine Wolke am Himmel, die von den Winden gejagt und gepeitscht und an den Rändern ständig zerrissen und wie willenlos geformt wird, beladen mit Tränen. In der Person Jesu muß die Kraft der Liebe so stark gelebt haben, daß Menschen an seiner Seite ihr eigenes Ich zurückgewonnen haben, weil sie wußten, sie seien gemeint und ihr kleines und ihr kleines, kurzlebiges Dasein trage die Bedeutung der Ewigkeit."(6)

"Wer Jesus zuhörte, muß begonnen haben, sich inmitten seiner Kleinheit unendlich groß zu fühlen, in einer Würde, die bis zu den Sternen reichte. Und das ist ewiges Leben: ein Augenblick des Glücks, in dem der Himmel sich öffnet, während wir noch auf der Erde stehen."(7)

"War das Grab leer am Ostermorgen? Fragt man die Historiker, werden sie diskutieren bis zum Widerwärtigen. Aber das Bild gilt für alle Zeiten: Gräber sind keine Gräber mehr, sondern Brücken in die Unendlichkeit, Orte sind sie, einen Dialog zu beginnen mit dem ewigen Leben. Und so ist unser Leben eine Wallfahrt zurück zu allem, was Jesus uns lehrte in den Dörfern von Galiläa, in den Orten am See Gennesaret. Ewig wird er uns voraus sein mit seiner Botschaft der Menschlichkeit, der Unzerstörbarkeit eines jeden von uns. Seine Art, zu leben gemäß den Worten der Bergpredigt, provozierte allen Widerstand und bildete den Grund der Hinrichtung am Kreuz."(8)

"Aber seine Auferstehung ist der Beginn der Gewißheit, daß es sich fortan nur noch lohnen wird zu leben in seiner Freiheit, seiner Weitherzigkeit, seiner Universalität der Liebe. Denn ein jeder von uns ist geboren im Licht, ein Kind der Sterne, ein Sohn des ewigen Gottes. Und gemeinsam sind wir in der Kraft der Liebe auf dem Pilgerweg zurück nach Galiläa, zum Berg der Verklärung, zur Stätte, wo der Himmel die Erde berührt. Ewig werden wir leben, und die Macht der Angst, die Macht der Verzweiflung, der Schatten der Schuld werden vergehen wie ein Traum. Der Tag hat begonnen am ersten Sabbatmorgen in der Frühe, eben als die Sonne aufging und der Stein weggewälzt war von der Grabkammer unseres Herzens."(9)

(1,2) Eugen Drewermann: Leben, das dem Tod entwächst – Predigten zur Passions- und Osterzeit, Patmos Verlag, Düsseldorf 1991, S. 182. (3-7) Eugen Drewermann: Leben, das dem Tod entwächst – Predigten zur Passions- und Osterzeit, Patmos Verlag, Düsseldorf 1991, S. 184f. (8,9) Eugen Drewermann: Leben, das dem Tod entwächst – Predigten zur Passions- und Osterzeit, Patmos Verlag, Düsseldorf 1991, S. 196. Alle Rechte liegen beim Patmos Verlag.

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